Detailansicht Engel im Kloster und Schloss Salem; Foto: Hermann Böhne

Gotische Eleganz, barocke Opulenz

Stilgeschichte

Kloster und Schloss Salem bilden ein harmonisches Ensemble. Die bewusste Schmucklosigkeit der mittelalterlichen Zisterzienser-Architektur kontrastiert mit dem üppigen Dekor des Barock. Die letzte Umgestaltung des Münsters harmoniert jedoch überraschend gut mit den Anfängen.

Detailansicht Blase im Münster von Kloster und Schloss Salem; Foto: Hermann Böhne

Streng und schlicht sind die Bauten gestaltet.

Schmucklos im Mittelalter

Ohne Skulpturen, ohne bunte Glasfenster, ohne Turm, mit schlichtem, rechtwinkligem Chor: So präsentiert sich die mittelalterliche Zisterzienser-Architektur, den Ordensregeln gemäß in bewusstem Gegensatz zum Prunk der Kathedralbauten. Salem macht keine Ausnahme. Streng und schlicht sind die Bauten gestaltet. Einzige Schmuckelemente sind die kunstvoll geformten Maßwerkfenster am Münster. Charakteristisch für den hochgotischen Stil ist die „Salemer Blase“, eine mandelförmige Rose an der Stirnseite des Nordquerhauses.

Kaisersaal in Kloster und Schloss Salem; Foto: Dr. Ulrich Knapp

Aus dem Kloster wird eine Barockresidenz.

Fülle barocker Prachtentfaltung

Im Kaisersaal, im Bernhardusgang, im Sommerrefektorium und auch im Münster zeigt sich 400 Jahre später eine überwältigende barocke Pracht. Das Gebot der Schmucklosigkeit ist vergessen, Macht und Reichtum werden präsentiert. Nach außen erhält die Reichsabtei einen schlossartigen, monumentalen Charakter. Die Anlage hat jetzt eine zusammenhängende Front von 180 Metern Länge. Auch ein großer Lustgarten entsteht: Die Klosteranlage ähnelt einer barocken fürstlichen Residenz.

Verspielt, verhalten: Rokoko und Klassizismus

Im späten 18. Jahrhundert kehrt Zurückhaltung ein. Verspielte, asymmetrische Muschelwerk-Formen überziehen die Decke von Abt Anselms Empfangszimmer. Dieser lässt auch das Münster im klassizistischen Stil modernisieren und in hellem und rosafarbenem Alabaster ausstatten. Der Skulpturenschmuck, übersichtlich und klar, verzichtet auf Farbe und wirkt ganz durch die Form, die an klassischen Vorbildern geschult ist. Dies harmoniert bestens mit der gotischen Zisterzienser-Architektur.

Abtsalon im Kloster und Schloss Salem

Empfangsraum für den Abt: ein Raum aus der Rokoko-Zeit.

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